Gegenstand und Grundbegriffe der Sprachgeschichte Aufgabe und Gegenstand
Gegenstand und Grundbegriffe der Sprachgeschichte Aufgabe und Gegenstand der Sprachgeschichte Ursachen des Sprachwandels Urgermanisch und die germanischen Sprachen Die erste oder germanische Lautverschiebung als charakteristischer Unterschied der indoeuropäischen Sprachen von den germanischen Sprachen Probleme der Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte Kurzer Überblick über jede einzelne Periode (Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Neuhochdeutsch) Herausbildung der deutschen Nationalsprache
WARUM? ich gebe – du gibst, aber ich lebe – du lebst / ich fahre – du fährst, aber ich frage – du fragst ich ziehe – ich zog / ich liege – ich lag / ich siege – ich siegte der Tag – die Tage, aber der Schlag – die Schläge lieb, dienen dt. Apfel – eng. apple die Laune - lat. luna 'Mond (vgl. eng. lunatic 'verrückt') fressen (ver + essen) die Brille – Beryll
1. diachronische Sprachbetrachtung (griech. dia+kronos 'durch die Zeit): Untersuchung und Darstellung des sprachlichen Systems unter dem Gesichtspunkt seiner historischen Entwicklung; 2. synchronische Sprachbetrachtung (griech. syn+kronos 'gleichzeitig'): rein beschreibende Untersuchung des sprachlichen Materials auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung.
Aufgabe und Gegenstand der Sprachgeschichte: Aufgabe der deutschen Sprachgeschichte ist die diachronische Betrachtung der deutschen Sprache. Gegenstand der deutschen Sprachgeschichte sind die Haupttendenzen der Sprachveränderung und das Werden der modernen deutschen Sprache.
Ursachen des Sprachwandels sprachexterne: Aspekte des gesellschaftlichen Lebens (die Gesellschaftsformationen, Migrationen und Kontakte der Völker, der wissenschaftliche und technische Fortschritt, verschiedene ideologische Richtungen in der Gesellschaft); sprachinterne: 1) die ständige Entwicklung der Sprache nach ihren eigenen Gesetzen; 2) das ständige Streben nach Vervollkommnung der sprachlichen Ausdrucksmittel.
Indoeuropäische Familie der Weltsprachen Sprachgruppen: Indische, Iranische, Slawische, Baltische, Germanische, Romanische, Keltische selbständige Sprachen: Griechisch, Albanisch, Armenisch ausgestorbene Sprachen: Hettisch, Tocharisch
Die germanischen Sprachen 1. Westgermanische Sprachen: Englisch (500 Ml), Friesisch (380 T), Deutsch (100 Ml), Niederländisch (21 Ml), Afrikaans (6 Ml), Jiddisch (1,5 Ml) 2. Nordgermanische Sprachen: Isländisch (273 T), Farörisch (50 T), Schwedisch (8,3 Ml), Norwegisch (4,3 Ml), Dänisch (5,1 Ml)
Die 1. oder germanische Lautverschiebung (von 2000 v.u.Z. – bis 500 v.u.Z.): Die indoeuropäischen stimmhaften behauchten Verschlusslaute bh, dh (th), gh (kh) wurden im Germanischen zu den stimmhaften unbehauchtenVerschlusslauten b, d, g. aind. bharami - got. bairan (tragen) griech. thyra - got. daurons (Tür) griech. khortos - got. gards (Haus, Familie, Hof)
2) Die indoeuropäischen stimmhaften Verschlusslaute b, d, g werden im Germanischen zu den stimmlosen Verschlusslauten p, t, k. griech. baite - got. paida (Rock) aind. dvau - got. twai (zwei) aind. yugam - got. juk (Joch)
3) Die indoeuropäischen stimmlosen Verschlusslaute p, t, k und die indoeuropäischen stimmlosen behauchten (aspirierten) Verschlusslaute ph, th, kh werden im Germanischen zu den stimmlosen Reibelauten (Frikativen oder Spiranten) f, ϸ, h. aind. pitar - got. fadar „Vater" aind. phena - ahd. fam „Schaum" griech. trecho - got. ϸragjan „laufen" griech. kardia - got. hairto "Herz" aind. reikha - ahd. riha „Reihe"
Ausnahmen: lat. spuere - got. speiwan "speien" lat. hostis "Feind“- got. gasts "Fremdling, Gast" lat. miscere - ahd. miskan "mischen".
Das Vernersche Gesetz (1877 von dem dänischen Gelehrten Karl Verner entdeckt) ie. p, t, k ger. f, ϸ, h ie. p, t, k ger. b, d, g griech. pat'er - got. fadar rus. свек'ровь - ahd. swigar griech. phr'ator - got. broϸar rus. 'свекр - ahd. swehur ÁhA AdÁ
Rhotazismus ie. S Z (Stimmhaft) – R ie. S S (Stimmlos) got. maisa - ahd. mero. friesen – fros – fruren – gifroran AdÁ ÁhA
Grammatischer Wechsel (Buchstabenwechsel) f – b (Hefe – heben) d –t (schneiden – Schnitt) h – g (ziehen – Zug) s – r (Verlust – verlieren)
Die Kriterien der Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte Wandel im phonetischen System, in der Formenbildung, in der Wortbildung und im Wortschatz. Wandel der Existenzformen der Sprache.
Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte 500 bis 750 – (die vorliterarische Zeit). 750/770 - 1050/1100 - Althochdeutsch (AHD); 1050/1100-1350/1400- Mittelhochdeutsch (MHD); 1350/1400-1600/1650- Frühneuhochdeutsch (FNHD); ab 1600 - 1650 - Neuhochdeutsch (NHD).
Kurzer Überblick über die Sprachperioden: die vorliterarische Zeit: Sprache als Einheit der altgermanischen Stammesdialekte, keine schriftlichen Denkmäler Althochdeutsch: Sprache als Einheit der Territorialdialekte, Latein, der Name „Deutsch“ (theodiscus „volksmäßige Sprache„, diu diutisca zunga, diutiskiu liute, diutiskiu lant), Entwicklung des Schrifttums;
Fortsetzung Mittelhochdeutsch: Latein, Abbau der Dialektgrenzen, die Ausgleichstendenzen in der Schriftsprache; Frühneuhochdeutsch: Anfänge der Herausbildung der gemeindeutschen nationalen Literatursprache, Übergang von den Territorialdialekten zu den sogenannten regionalen (landschaftlichen) Literatursprachen; Neuhochdeutsch: Herausbildung und Weiterentwicklung der gemeindeutschen nationalen Literatursprache aufgrund der ostmitteldeutschen Literatursprache.
Die Herausbildung der deutschen Nationalsprache der erste Faktor – die großen Kanzleien (die Keiserliche Kanzlei in Wien und die Meißner Kanzlei in Sachsen); der zweite Faktor - die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (Johannes Guttenberg, um 1440); der dritte Faktor – Martin Luther und seine aufklärerische Tätigkeit.
Existenzformen der deutschen Gegenwartssprache. die gemeindeutsche nationale Literatursprache. dt. Territorialdialekte und Mundarten (Niederdeutsch und Hochdeutsch). städtische Halbmundarten und Umgangssprache.
Die 2. oder hochdeutsche Lautverschiebung I. Die germanischen stimmlosen Verschlusslaute p, t, k werden zu doppelten stimmlosen Reibelauten p > ff (f), t > zz, (z), k > hh (ch) in folgenden Stellungen: a) im Inlaut zwischen Vokalen; b) im Auslaut nach Vokalen. p > ff (f): as. opan - ahd. offan 'offen', as. skip - ahd. skif 'Schiff' t > zz, z (ss,s gesprochen): as. etan - ahd. ezzan 'essen‚ as. dat - ahd. daz 'das' k > hh (ch): as. makon - ahd. mahhon 'machen‚ as. ik - ahd. ih 'ich'
II. Die germanischen stimmlosen Verschlusslaute p, t, k werden zu Affrikaten pf, tz, kch in folgenden Stellungen: a) im Anlaut p > pf: as. pund - ahd. pfund 'Pfund' t > tz: as. tiohan - ahd. ziohan 'ziehen' k > kch: got. kaurn - ahd. kchorn (obd.) 'Korn'
b) in der Gemination (Konsonantenverdoppelung) p > pf: as. appul - ahd. apful 'Äpfel' t > tz: as. settian - ahd. setzen 'setzen' k > kch: as. wekkian - ahd. wekchan (obd.) 'wecken´ wekken (md.) c) im In- und Auslaut nach l,m,n,r. p > pf: as. helpan - ahd. helpfan 'helfen' t > tz: as. herta - ahd. herza 'Herz' k > kch: as. drinkan - ahd. trinkchan (obd.) 'trinken
Fortsetzung III. Die stimmhaften Verschlusslaute b, d, g werden zu stimmlosen Verschlusslauten p, t, k; diese Verschiebung ist aber nicht überall im Hochdeutschen durchgeführt worden, nur d > t auf dem ganzen hochdeutschen Gebiet. b > p: as. biogan - ahd. piukan (obd.) 'biegen' d > t: as. dag - ahd. tac 'Tag' g > k: as. gast - ahd. kast (obd.) 'Gast' Wandel th / [þ] > d; germ. *broþar > as. brothar / ahd. bruoder
BENRATHER LINIE
Althochdeutsche Monophthongierung und Diphthongierung Monophthongierung 1) ger. ai > ahd. e (vor den Konsonanten h, r, w): got. aihts - ahd. eht „Besitz" got. air - ahd. er „eher, früher" got. gaits - ahd. geiz „ Geiß, Ziege" got. wait - ahd. weiz „ich weiß„ 2) ger. au > ahd. o (vor h und d,t,n,s,r,l): got. daupus - ahd. tod "Tod" got. tauh - ahd. zoh „zog« got. aukan - ahd. ouhhon „vermehren"
Diphthongierung 1) ger. e > ahd. ea > ahd. ia > ahd. ie: got. her - ahd. hiar – hier „hier" got. het - ahd. hiaz – hiez „hieß" 2) ger. o > ahd. uo: got. for - ahd. fuor „fuhr" got. god - ahd. guot „gut"
Ablaut stigan -steig - stigum – gistigan neman - nam - namum – ginoman graban - gruob -gruobum – gigraban ziohan - Zug, giberan - Giburt
Vokalharmonie Der Wechsel der Wurzelvokale unter dem Einfluss der Vokale in der Endung. Wenn in der Endung ein enger (geschlossener) Vokal steht (i, u), hat die Wurzel auch einen engen (geschlossenen) Vokal (i, u, iu). Bei einem breiten (offenen)Vokal in der Endung (a, e, o) hat die Wurzel einen breiteren (offeneren) Vokal (e, o, eo, io).
a) in der Formenbildung: gibu, gibis, gibit, gebames, gebet, gebant (bei der Konjugation der starken Verben im Präsens); bei der Bildung der Grundformen der starken Verben giosan - go3 - gussum - gigossan; b) in der Wortbildung: berg - gibirgi; erda - irdisc; gold – guldin (golden, der Gulden); diot (das Volk) - diutisc (deutsch).
Umlaut Angleichung des Wurzelvokals dem Laut i oder j in der Endung (regressive Assimilation). Den Umlaut vom kurzen a nennt man den Primärumlaut. Ausnahmen: vor den Verbindungen ht, hs, rw, z.B. maht – mahti, wahsan – wahsit vor dem langen i: smal – smali wenn das kurze i in der übernächsten Silbe nach dem betonten Vokal stand: magad - magadi
Umlaut in der Formenbildung: - Plural der Substantive: gast - gesti; - Steigerungsstufen der Adjektive: lang - lengiro; -Konjugation der starken Verben mit dem a: faru grabu feris grebis ferit grebit
Die Reduktion 1) die Abschwächung aller unbetonten Vokale zum [ə] 2) der Ausfall von unbetonten Vokalen und Konsonanten. - die Apharese (am Worfanfang = im Woranlaut): ahd. hloufan > mhd. loufen (laufen); - die Synkope (im Wortinnern = in Inlaut) bei Präfixen : mhd. gelücke > glück, mhd. verezzen > vressen; bei Suffixen und Endungssilben: mhd. maget > nhd. Magd (dabei wird der Wurzelvokal gedehnt; die Ersatzdehnung); - die Apokope (am Wortende = im Wortauslaut): mhd. schoene > nhd. schön; Pl. Ahd. taga, tago, tagum, taga Pl. Mhd. tage, tage, tagen, tage
Sekundärumlaut ä (ahd. mahtig - mhd. mähtec), ö (ahd. mohti - mhd. möchte), ü (ahd. kuning - mhd. künec ), ae (ahd. chasi - mhd. käse), oe (ahd. skoni -mhd. schoene), iu [y:] (ahd. husir - mhd. hiusir), öu (eu) (ahd. frowida - mhd. vröude), üe (ahd. guoti - mhd. guete)
Das Vokalsystem des Mittelhochdeutschen Die durch den Sekundärumlaut entstandenen neue Phoneme; ia – io – ie (Reduktion der 2. unbetonten Komponente); iu [y:] – a) aus dem umgelauteten langen u b) der Diphthong iu wird im MHD monophthongiert - [y:], z.B. hiutu – hiutu.
Das Konsonantensystem des Mittelhochdeutschen Das Phomen [ ʃ ]: sk [sk] - sch [sx] – sch [ʃ] ahd. skinan - mhd. schinen „scheinen"; ahd. skoni - mhd. schoene „schön". Das [ʃ] wird auch im Anlaut vor l, m, n, w ausgesprochen, geschrieben aber „s„ ahd. slafan -mhd. slafen - nhd. schlafen Das [s] vor p, t zum [ʃ], in der Schreibung bleibt das „s„ ahd. spati - mhd. spaete - nhd. spät
Das Phonem [z] entsteht aus dem [s] vor Vokalen, in der Schreibung bleibt „s". Das Phonem [v] - in der Schreibung gebraucht man „w". Die sog. Auslautverhärtung: Die stimmhaften Konsonanten im Wort- und Silbenauslaut werden stimmlos ausgesprochen. Die Schreibung verändert sich auch: geben - gap, tages - tac
Qualitative Vokalveränderungen im FNHD: Diphthongierung der langen Vokale der hohen Zungenlage: i > ei [ei] mhd. min - fnhd, mein u > au mhd. hus - fnhd. haus iu [y:] >eu[ ] mhd. diutsch - fnhd. deutsch; Monophthongierung der alten Diphthonge der hohen Zungenlage: ie [ia] > ie [i:] mhd. brief - fnhd. brief uo > ü mhd. kluoc - fnhd. klug üe > ü mhd. müede - fnhd. müde;
Erweiterung der alten Diphthonge: ei [ei] >ei [ae] mhd. ein - fnhd. ein ou >au mhd. boum - fnhd. baum Kleinere Vokalveränderungen: die Erweiterung von u, ü vor den Nasalen: mhd. sunne - mhd. sonne mhd. künec - mhd. könig; der Wandel ä >ö in manchen Wörtern: mhd. äne - fnhd. ohne, mhd. manet - fnhd. monat; die Labialisierung / Delabialisierung e> ö, i>ü, ü> i; eu> ai: mhd. zwelf - fnhd. zwölf, mhd. wirdec - fnhd. würdig; mhd. küssen - fnhd. kissen „das Kissen", mhd. slöufe - fnhd. schleife.
Quantitative Veränderungen der Vokale: Dehnung der Vokale: in offenen und positionell geschlossenen Silben: mhd. nemen - nhd. nehmen, mhd. tac -nhd. der Tag. In einsilbigen Wörtern vor Sonoren: mhd. der - nhd. der häufig vor r+t, d, s, z mhd. erde - nhd. Erde, mhd. werden - nhd. werden, der Harz Kürzung der Vokale: in den geschlossenen Silben: mhd. brahte -nhd. brachte.
Wenn die Silbe infolge der Synkope eines Vokals geschlossen wird, wird der betonte Vokal lang: mhd. krebes- nhd. der Krebs; mhd. obes - nhd. das Obst (Ersatzdehnung).
Der schematische Überblick über die wichtigsten lautlichen Veränderungen des Deutschen Indoeuropäisch: Ablaut Germanisch: Erste (germanische) Lautverschiebung; Verners Gesetz; germanische Erst- oder Stammsilbenbetonung Althochdeutsch: Zweite (althochdeutsche) Lautverschiebung; althochdeutsche Monophthongierung; althochdeutsche Diphthongierung; i-Umlaut Mittelhochdeutsch: Auslautverhärtung; Entstehung des sch-Lautes; Reduktion der vollen Endsilbenvokale; Apokope; Synkope; die weitere Entwicklung des Umlauts Frühneuhochdeutsch: neuhochdeutsche Monophthongierung; neuhochdeutsche Diphthongierung; Dehnung in offener Tonsilbe
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