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Alla Paslawska Universelles und ethnospezifisches in der interkulturellen Kommunikation – am Beispiel der Negation 17. November 2010
Universalien Ein Universale ist eine Eigenschaft, die allen Sprachen zukommt. Im einfachsten Falle ist es ein Merkmal, das alle Sprachen aufweisen. 2
Typen von Universalien 1. ‘alle Sprachen haben Vokale und Konsonanten’ (absolutes Universale). 2. ‘wenn eine Sprache Nasalvokale hat, hat sie auch Oralvokale’ (implikatives Universale). 3
Das Ethnospezifische bezeichnet die Besonderheiten der jeweiligen Kultur. 4
Typisch Deutsch: Pünktlichkeit
Zuverlässigkeit
Humorlosigkeit Unfreundlichkeit Sparsamkeit 5
Typisch Amerikanisch oberflächlich machen sehr gut Show prüde, viktorianisch
oft ungebildet
haben schlechte Essgewohnheiten 6
Typisch Französisch Oberflächlichkeit
Unpünktlichkeit ist gerne frei, ungezwungen die Leichtigkeit des Franzosen 7
Vorsichtig mit Stereotypen! Stereotypen sind Bilder in unseren Köpfen. Sie ersetzen das Unwissen bzw. den Mangel an Erfahrungen. 8
Interkulturelle Kommunikation soziale Interaktion zwischen Vertretern verschiedener Kulturen 9
Ziele Was ist an der Negation universell? 2) Was ist an der Negation ethnospezifisch? 3) Wie umgeht man mit der Negation in der interkulturellen Kommunikation? 1) 10
Negation in natürlichen Sprachen San. Got. Lat. Türk. Jap. Arab. Tat. na ni ne -mnai ma -ma- Dt. : nicht Sp. : no Port. não It. : non Ukr. ne Engl: not Fr. : ne pas 11
Ursprung der Negation “Wir haben uns nun vorzustellen, dass jeder Sprachlaut ursprünglich mit einer entsprechenden Körperbewegung oder Körperhaltung verbunden war. Das eine kann eigentlich ohne das andere gar nicht gedacht werden”. (Wilhelm Uhl 1906: 4). 12
Otto Jespersen (1917) Ihrer Herkunft nach war Negation eine primitive Interjektion, die Abscheu ausdrückte, gepaart mit einer Geste des Naserümpfens: “. . . the old negative ne, which I take to be. . . a primitive interjection of disgust, accompanied by the facial gesture of contracting the muscles of the nose. . . 13
Naserümpfen 14
Sprachliche Universalien Negation Morphologisches Universale? Syntaktisches Universale? Semantisches Universale? Pragmatisches Universale? Kulturem? 15
Negationsmorphologie 1. Affixales Morphem im Bestand des Vollverbs (Türkisch, Arabisch, Japanisch, Iranisch) Samu katta samu-na-katta (Japanisch) ‘Es war kalt’ ‘Es war nicht kalt’ 16
Negationsmorphologie 2. Partikel (Deutsch, slawische Sprachen) 2. Bulo cholodno Ne bulo cholodno (Ukrainisch) ‘Es war kalt’ ‘Es war nicht kalt’ 17
Negationsmorphologie 3. Hilfsverb (Finnisch) Minä sinä hän en et ei lue ‘ich lese nicht’ lue ‘du liest nicht’ lue ‘er liest nicht’ 18
Negationsmorphologie 4. Hilfsverb + Partikel (Englisch) I did not sleep last night. 19
Negationsmorphologie 5. Übergeordnetes Verb, das den Restsatz als Komplement nimmt (Tonganisch) Na’e ’alu ’a Siale ‘Charly ist gekommen’ Na’e ’ikai ke ’alu’a Siale ‘Charly ist nicht gekommen’ 20
Negationsausdrucksmittel 1 l l l l Partikel ne (nicht) morphologische Mittel: Präfixe ne-, ni- (un-, nicht), bez- (ent-, -los, -leer, -frei) etc. Satzäquivalent ni (nein) Präpositionen bez, krim (ohne, außer) Konjunktionen ni. . . ni, ani (weder. . . noch) Indefinita nixto, nishcho (niemand, nichts) usw. Intonation und/vs. entsprechende Wortfolge Vin – poet? ! Er und Dichter? ! 21
Negationsausdrucksmittel 2 Vergangenheitstempus im Konjunktiv Jakby ty mene zaprosyv, ja by pryjshla ‘Wenn du mich eingeladen hättest, wäre ich gekommen’ Du hast mich nicht eingeladen l Phraseologismen Ce tobi pasuje, jak korovi sidlo ‘Das passt dir wie dem Ochsen ein Sattel’ Das steht dir gar nicht l 22
Negationssyntax Es stört mich nicht. 23
Negationssemantik Es stört mich nicht. 24
Absolute Negation l Ne [topolju vysokuju viter nahynaje] (T. Schewtschenko). l Nicht [soll Zarathustra einer Herde Hirt und Hund werden]. (F. Nietzsche). 25
Prädikatsnegation l Ne mozhu ja, ne smiju spochyvaty. (L. Ukrajinka). l Ich kenne mancher Menschen Sinn. Und weiß nicht, wer ich selber bin! (F. Nietzsche). 26
Kontrastive Negation l Ja ne ljudyna, ja roslyna (B. I. Antonytsch). l In Totem und Tabu sollte nicht die Entstehung der Religionen erklärt werden, sondern nur die des Totemismus. (S. Freud) 27
Verschobene Negation l Wona ne skazala vsijeji pravdy. l I don’t see him often. 28
Lexikalische Negation l Це пасує як корові сідло. l Das passt wie dem Ochsen ein Sattel. 29
Lexikalische Negation l Ми, люди, є створіннями нерозважними і невдячними, приреченими на те, аби вічно щось тратити. (Ю. Андрухович). l Es ist sinnlos zu fliehen; in diesem Tempo werden sie dem Krieg nicht entfliehen. (H. Böll). 30
Negationsprosodie Sie geht nicht zur Uni. 31
Negationspragmatik Negierung als Kulturem d. h. kulturbedingte Verhaltensweise, die sich in verschiedenen Kulturen in unterschiedlicher Form, unterschiedlicher Häufigkeit und in unterschiedlichen kommunikativen Situationen manifestiert. 32
Negationspragmatik Sprechakte der Negierung 1. Widersprechen: Die Sonne lacht, es regnet nicht. Doch! Es regnet. 33
Negationspragmatik Sprechakte der Negierung 2. Zurückweisen: Arbeiten am Wochenende? Nein danke. 34
Negationspragmatik Sprechakte der Negierung 3. Verbieten: Ich verbiete dir, so von deinem Vater zu reden! 35
Nonverbale Negierungseinheiten 1) Gestik 2) Mimik 3) Blickkontakt oder dessen Abwesenheit 4) Körperhaltung 5) paraverbale Mittel 36
Negierende Gestik „Hände als Schere“ = Schluss jetzt! zur Faust geballte Hand = Drohung 37
Negierende Gestik Der an den Mund gepresste Zeigefinger = das Verbot 38
Negierende Gestik „Sägende Bewegung über die Kehle“ = Мir steht’s bis hier 39
Negierende Gestik Der Daumen und kleiner Finger einer Hand schließen sich zum Ring = Ich habe nichts 40
Negierende Gestik Die Bewegung hin und her der geöffneten rechten Hand = Nein! 41
Negierende Gestik Das Klappen der Finger der erhobenen Hand auf den Daumen herunter = Halt den Mund! 42
Negierende Gestik Der auf die Mitte der anderen Handfläche deutende Zeigefinger = Ungläubigkeit 43
Mimik Hochziehen von Augebrauen = Nein! 44
Blickkontakt Das bewusste Verweigern des Blickkontaktes = die elementare Art auf die Kommunikation zu verzichten. Weit aufgerissene Augen = Ablehnung, Absage 45
Körperhaltung Kopfschütteln = Ja oder Nein? 46
Paraverbale Negierung Ø Ø durch Stimmhöhe spezielle Intonationskurven Sprechgeschwindigkeit durch ein Zittern oder Lachen in der Stimme (das sarkastische Ha-ha) 47
Мir steht’s bis hier - Schluss jetzt! 48
Literatur 1 Паславська А. Заперечення як мовна універсалія: принципи, параметри, функціонування. – Львів: ЛНУ ім. Івана Франка, 2005. Помірко Р. , Бацевич Ф. , Паславська А. Мовленнєві жанри в міжкультурній комунікації : монографія. – Львів: ПАіС, 2010. – 280 с. Brütsch, E. / Nussbaumer, M. / Sitta, H. (1990): Negation. Heidelberg. Buscha: Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. In: Buscha, J. / Schröder, J. (Hrsg. ): Linguistische und didaktische Grammatik. Leipzig, 149 -156. Dahl, Ö. (1979): Typology of sentence negation. In: Linguistics 17, 79106. Engel, U. (21991): Deutsche Grammatik. Heidelberg. Falkenberg, G. / Leibl, G. / Pafel, J. (1984): Bibliographie zur Negation und Verneinung. Trier. Grucza F. Kultur aus der Sicht der Angewandten Linguistik // Schlosser H. D. (Hrsg. ): Sprache und Kultur. - Frankfurt a. M. [etc. ]: Peter Lang, 2000. - S. 17 -29. Haß-Zumkehr U. Deutsche Wörterbücher - Brennpunkt von Sprach- und Kulturgeschichte. - Berlin/New York: de Gruyter, 2001. 49
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